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Moritz Senarclens de Grancy zum aktuellen Buch »Affektökologie« von Marie-Luise Angerer

Oktober 27, 2017

Blog — Rezension zum aktuellen Buch auf Wunderblog.de: E-Journal für Psychoanalyse
Die Digitalisierung bringt manche Gewissheit ins Wanken, zum Beispiel im Hinblick auf die Unterscheidung von Mensch und Maschine. Neu ist nicht so sehr der Cyborg, der menschenähnliche Roboter, sondern die datenbasierten digitalen Helfer, die sich massenhaft anschicken, uns das Leben zu erleichtern. Ihre Algorithmen agieren im Hintergrund und sind darauf programmiert, uns mit spielerischer Leichtigkeit dort abzuholen, wo wir sie bislang nicht erwartet haben: in der Sphäre des Affektiven. Weil wir mit jedem Mausklick eine individuelle Spur im Netz hinterlassen, können Algorithmen nicht nur unser Konsumverhalten und Interessen auslesen, sondern auch den Code unserer Leidenschaften. Weitgehend ahnungslos in Bezug auf die technische Intelligenz von Facebook, Google und anderen Internetplattformen lassen sich Menschen von intelligenten Algorithmen austesten und lenken – wie zuletzt bei den Wahlkampagnen vor den österreichischen Parlamentswahlen.
Die Forschung interessiert sich daher seit langem dafür, die Schnittstelle von Mensch und Maschine neu auszuloten. Hier setzt der Essay der Medienwissenschaftlerin Marie-Luise Angerer an und untersucht mit dem Modell einer Affektökologie die Grenzverschiebungen im Diskursverlauf zwischen zwei Formen von Intelligenz – Mensch und Maschine –, die sich immer weiter annähern. Angerer zufolge verstärken Medien die Mobilisierung von Affekten nicht nur, sondern sind vor allem deren Bedingung. Als gemeinsamer Berührungspunkt erweist sich der Affekt insofern prädestiniert, als sein dem Denken vorgelagerter Naturalismus es erlaubt, über ein Szenario zu reflektieren, in dem der Wirklichkeitszugang über biomorphes »Erfassen« (A. N. Whitehead) – jenseits diskursiver Ansprüche – Verbindungen und Wirklichkeitsbezüge herzustellen imstande ist.

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