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Marie-Luise Angerer und Cécile B. Evans: Medial mobilisierte Affekte

November 21, 2017, 7.00 pm

Event — Die Veranstaltung findet im Rahmen der Vortragsreihe »Politik der Emotionen. Macht der Affekte« statt.

»Politik ist immer emotional«, betont Lauren Berlant. Die ameri­kanische Literaturwissenschaftlerin und Queertheoretikerin bezeichnet Politik als den Schauplatz, auf dem sich gegen­sätzliche Interessen in einer Rhetorik manifestieren, die Phan­tasien nährt oder Menschen an den Traum eines besseren Lebens bindet. Doch nicht nur die Bedeutung von Affekten und Emotionen im Bereich der Realpolitik, sondern in gesell­schaftlichen Machtverhältnissen generell rückte in letzter Zeit verstärkt in den Fokus wissenschaftlicher und künstlerischer Disziplinen. Auch unter dem Einfluss der sogenannten affektiven Neurowissenschaften werden Emotionen dabei nicht länger als Gegensatz zur Kognition begriffen; sie erscheinen vielmehr als dessen notwendiger und unvermeidlicher Partner.

Gerade in aktuellen politischen Ereignissen scheinen Emo­tionen als Währung – beispielsweise für restitutive und reak­tionäre Ausgrenzungs­ und Abschottungsbemühungen – hoch im Kurs zu stehen. Das cx centrum für interdisziplinäre Studien nimmt dies zum Anlass, fast zwei Jahrzehnte nach der ersten Proklamation eines »Affective Turn« das Thema Affekte und Emotionen als bedeutende zeitgemäße Analysekategorie des Sozialen wieder aufzugreifen. Die sechste Vortragsreihe des cx konzentriert sich in diesem Zusammenhang insbesondere auf das gegenwärtige Verhältnis von Macht und Emotionen, wie in den emotional gesättigten Machttechniken von Glücks­versprechen, heraufbeschworenen Angstszenarien und Wut­ ausbrüchen, aber auch in der eher positiv bewerteten Macht von Empathie und Solidarisierung. Sie fragt nach dem Ein­fluss der medialen Vermittlung von Emotionen und affektiven Gestimmtheiten, nach potentiell neuen Kräfteverhältnissen durch eine Maschinisierung von Affekten und erforscht ak­tuelle künstlerische und gestalterische Reflexionen und De­konstruktionen emotionaler Regime. Im Anschluss an promi­nente Stimmen des Affektdiskurses, wie beispielsweise Brian Massumi, differenziert die Vortragsreihe zwischen Affekt als Veränderung der Handlungsmacht eines Körpers, die durch ein Zusammentreffen mit anderen Körpern, dessen Energien und Intensitäten, hervorgerufen wird, und Emotion als sozia­lem Phänomen und psychologischer Erfassung eines Affekts. Da diese schillernden Begriffe jedoch je nach Disziplin und Theoretiker_in unterschiedlich interpretiert und eingesetzt werden, sind ihre Differenzen und Übergänge von Panel zu Panel immer wieder aufs Neue zu bestimmen.

Programm

Location:

Akademie der Bildenden Künste München, Akademiestr. 2, 80799 München, A.EG.15 (historische Aula)

Conception:

Susanne Witzgall, Marietta Kesting, Karianne Fogelberg, Christoph Gurk