back

Empfindliche Oberflächen – Zur Kritik der medialen Affektverfügung

November 1, 2016, 2.00 pm

Event — Auf dem Panel der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft stehen folgende Fragen im Fokus: Ab wann lässt sich davon sprechen, dass über Affekte technisch/ technologisch verfügt wird? Ist bereits die Affektlenkung in alltäglichen Interaktionen oder auch das individuelle mood management anhand von Unterhaltungsmedien eine solche Technik/Technologie? Welche Logiken und Praxeologien der Affektverfügung lassen sich grundlegend unterscheiden? Und welche Verschiebung bringt die Emergenz von digitalen, automatisierten Affekttechnologien mit sich (Affective Computing, Sentiment Analysis, Psycho-Informatik etc.)? Welches Fundierungsverhältnis lässt sich überhaupt zwischen Affektivität und Medialität geltend machen? Das Panel wird diesen Fragen in mehreren Anläufen nachgehen. Ausgangspunkt ist dabei der Begriff der »empfindlichen Oberfläche«, der als Definiens der Medialität aufgefasst wird. Affekte werden damit einerseits als Einwirkungen auf diese Oberflächen reformulierbar, andererseits als Aussendung von Oberfläche zu Oberfläche. Als solche wurden und werden sie vielfach typisiert, kategorisiert und qualifiziert und quantifiziert — und zwar in durchaus verwirrender Vielfalt und Widersprüchlichkeit. Mit der digitalen Revolution rückt die Möglichkeit näher, sie anhand affektiver Medien automatisch zu erfassen, zu erkennen, zu prozessieren und auch zu induzieren. Die Verfügung über das Affektive erreicht damit eine neue Qualität, die in mehrfachem Sinn frag- und kritikwürdig ist.

Das ganze Programm der Tagung ist hier einsehbar.

Chair: Markus Rautzenberg

 

BEITRÄGE DES SYMPOSIUMS

Bernd Bösel
»Digitale Affektverfügung – Die Emergenz eines neuen Regimes affektiver Kontrolle«

Ab wann lässt sich davon sprechen, dass über Affekte technisch/technologisch verfügt wird? Ist bereits die Affektlenkung in alltäglichen Interaktionen oder auch das individuelle mood management anhand von Unterhaltungsmedien eine solche Technik/Technologie? Welche Logiken und Praxeologien der Affektverfügung lassen sich grundlegend unterscheiden? Und welche Verschiebung bringt die Emergenz von digitalen, automatisierten Affekttechnologien mit sich (Affective Computing, Sentiment Analysis, Psycho–Informatik etc.)? Welches Fundierungsverhältnis lässt sich überhaupt zwischen Affektivität und Medialität geltend machen?
Das Panel wird diesen Fragen in mehreren Anläufen nachgehen. Ausgangspunkt ist dabei der Begriff der »empfindlichen Oberfläche«, der als Definiens der Medialität aufgefasst wird. Affekte werden damit einerseits als Einwirkungen auf diese Oberflächen reformulierbar, andererseits als Aussendung von Oberfläche zu Oberfläche. Als solche wurden und werden sie vielfach typisiert, kategorisiert und qualifiziert und quantifiziert – und zwar in durchaus verwirrender Vielfalt und Widersprüchlichkeit. Mit der digitalen Revolution rückt die Möglichkeit näher, sie anhand affektiver Medien automatisch zu erfassen, zu erkennen, zu prozessieren und auch zu induzieren. Die Verfügung über das Affektive erreicht damit eine neue Qualität, die in mehrfachem Sinn frag– und kritikwürdig ist.

Gabriele Gramelsberger
»Plessners exzentrische Positionalität als empfindliche Oberfläche«

In der Konzeption der »exzentrischen Positionalität« von Helmuth Plessner wird der Mensch als »grenzrealisierendes Wesen« definiert, das durch eben diese Grenze in ein Verhältnis mit der Umwelt eintreten kann. Basis einer solchen Konzeption ist die Leibhaftigkeit (Sensualität) des Menschen im Gegensatz zur idealistischen Tradition. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion der »Affective Media« stellt der Beitrag die Frage, inwiefern die exentrische Positionalität Plessners als mediale Bedingung das Konzept der Affective Media als empfindliche Oberfläche begründen kann. Oder anders herum: Inwieweit ist die biologisch inspirierte Anthropologie Plessners als affektiv–mediale zu verstehen?

 

Mathias Fuchs
»Zur Inkommensurabilität gängiger Affekttheorien«

Wie ist es möglich, dass Affekttheorien eine gewisse Kohäsion des Diskurses suggerieren oder einfordern, wenn nicht einmal die Grundbegriffe des Forschungsfeldes kommensurabel sind? Vom Affekt wird angenommen, dass er in 6 (Descartes), 5 (Mattheson), 20 (the Positive and Negative Affect Schedule, PANAS), 9 (Tomkins 2+, 1 ±, 6 –), 42 (Carlos Mauricio Castaño Díaz und Worawach Tungtjitcharoen) und vielen anderen numerischen und kategorischen Konstellationen vorkommt. Es ist nicht unproblematisch, dass ein wissenschaftliches Forschungsfeld sich unter der Voraussetzung inkommensurabler Bezugsgrößen entwickelt. Ist dies ein Problem oder ein Herausforderung für die Entwicklung von »Affekt– und Psychotechnologie Studien«? Gibt es Bedarf für eine kritische vergleichende Erhebung oder besteht die Stärke des Forschungsfeldes gerade in der Inkommensurabilität der Untersuchungsgrößen? Was bedeutet die Zerklüftung des Forschungsfeldes für eine Kritik der Affekttheorien?

Location:

Freie Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin, Raum A (L 115)

Conception:

GfM Arbeitsgruppe »Affective Media Technologies«